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Zukunft der Innenstädte

Zukunft der Innenstädte
Bernd Pastors (action medeor, von rechts) mit Rainer Höppner (IHK-Einzelhandelsausschuss), Thomas Siegert (IHK-Ausschuss für Immobilienwirtschaft) Landrat Dr. Andreas Coenen und Andree Haack (IHK-Geschäftsführer). FOTO: IHK
Kreis Viersen. Der Handel kämpft mit rückläufigen Passantenfrequenzen und sinkenden Umsätzen, die Immobilienmakler beobachten sinkende Mietpreise in vielen Innenstädten – was ist zu tun? Von Lutz Schütz

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer gemeinsamen Sitzung des Einzelhandelsausschusses und des Ausschusses für Immobilienwirtschaft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Die Unternehmergremien tagten beim Medikamentenhilfswerk action medeor in Tönisvorst. Nach einem Rundgang, bei dem sich die Teilnehmer über die Arbeit des Hilfswerks informierten, diskutierten sie mit Dr. Andreas Coenen, Landrat des Kreises Viersen, über Defizite der Innenstädte in der Region und Möglichkeiten, die Zentren zu stärken.

„Die Planungshoheit haben die Kommunen“, sagte Coenen. Allerdings könne die Kreisverwaltung die Städte und Kommunen beraten und Abstimmungen innerhalb des Kreises begleiten. „Wir können mit unserem Know-how die regionale Zusammenarbeit fördern und damit einen Beitrag für die Entwicklung der Innenstädte liefern“, erklärte der Landrat den Ausschussmitgliedern. Er appellierte an die Kommunen, mutiger zu sein, zum Beispiel, wenn es um die Reduzierung von Fußgänger- und Einkaufszonen gehe. Außerdem sei eine bessere Abstimmung zwischen einzelnen Stadtteilen notwendig. „Langfristig muss eine stärkere Funktionsteilung zwischen den Stadtteilen das Ziel sein. Die Nutzungsschwerpunkte sind dann Wohnen, Einzelhandel oder Gewerbe. Es muss nicht mehr jeder Ortsteil alles haben.“

Unternehmer und Landrat waren sich darüber hinaus ebenfalls einig, dass die Zukunft lebendiger Innenstädte in einer stärkeren Funktionsmischung liege. Es sei nicht mehr nur der Handel alleine, der für Frequenz und Leben in den Städten sorge. Außerdem müsse die demografische Entwicklung stärker berücksichtigt werden. „Wichtig ist, dass wir älteren Menschen die Möglichkeit bieten, in den Städten zu leben. Da können wir noch vieles besser machen“, forderte Rainer Höppner, Vorsitzender des IHK-Einzelhandelsausschusses. Darüber hinaus, auch da waren sich alle einig, stelle sich in vielen Kommunen die Frage, inwieweit Fußgängerzonen für den Verkehr geöffnet und günstige Parkmöglichkeiten angeboten werden können.

Nach dem Austausch informierte Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung GmbH aus Köln über die „Bedeutung und Auswirkung von Einzelhandelskonzepten“. „Der Onlinehandel hat zu einer Revolution im Handel geführt, die auch Auswirkungen auf unsere Innenstädte hat“, sagte er. „Jeder Tag, an dem wir darüber nicht nachdenken, ist ein verlorener Tag.“ Deshalb seien Einzelhandelskonzepte nach wie vor sinnvoll.

„Aber diese Konzepte müssen sich wandeln“, betonte Lehnerdt. E-Commerce und Demografie würden das Einkaufsverhalten, die Standortqualitäten und die Steuerungsmöglichkeiten verändern. „Deshalb muss es einen Perspektivwechsel von der Steuerung des Flächenwachstums hin zum geordneten Rückzug aus

der Fläche, aber vor allem mit Empfehlungen zur Belebung der City geben.“

(StadtSpiegel)