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Wege aus dem Teufelskreis

Der Drang, an den Spielautomaten zu gehen, die Spannung zu spüren, den Kick zu erleben - viele Spielsüchtige geraten in einen Teufelskreis. Von der Redaktion

Kreis Viersen (dka/red).

Freizeit und Vergnügen, Spannung und Entspannung – für Beate Müller (Name geändert) klangen diese Schlagworte aus der Werbung einer Spielhalle nur allzu verlockend. Die Mittvierzigerin ist eine gestandene Frau mit eigenem Einkommen, zwei Kindern und einem Mann, der beruflich viel unterwegs ist. Beate Müller hatte viel um die Ohren. Aber immer häufiger spürte sie eine innere Leere, Erschöpfung und Langeweile. Und irgendwann hoffte sie, ihr „Glück“ in einer Spielhalle zu finden. Sie tauchte ein in die schummrig bunte Welt der Automaten. Hier wollte sie ihre Sorgen hinter sich lassen.

„Der Automat zog mich in seinen Bann. Ich vergaß alles um mich herum: Ort, Zeit, Pflichten“, berichtet Beate Müller. Ihr war zunächst nicht bewusst, wie viel Geld sie in den Automaten steckte. Am Ende des ersten Spielhallen-Besuchs waren es 200 Euro, die nun in ihrer Haushaltskasse fehlten. Sie fühlte sich schlecht, und um den Verlust wieder auszugleichen, fuhr sie am nächsten Tag wieder hin. Ihrer Familie erzählte sie, sie müsse Überstunden auf der Arbeit machen. „So begannen die Lügen, dann überzog ich mein Konto, schließlich lieh ich mir Geld, obwohl ich wusste, dass ich es nicht zurückzahlen konnte“, sagt die 46-Jährige. Hinzu kamen Ängste, Depressionen und Schlafstörungen. Die suchthafte Suche nach dem vermeintlichen Glück im Spiel führte ins Unglück.

Beate Müller vertraute sich ihrem Mann an, gab ihre Kontovollmachten und ihr Geld ab – und begriff irgendwann, dass sie professionelle Hilfe benötigte. „Aber das war ein Prozess, der sich über Jahre hinweg schleichend und krankhaft entwickelte und immer noch nicht abgeschlossen ist“, erläutert Ilse Hennerkes von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe. Die Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin weiß, dass Glücksspielsucht das Leben der Betroffenen beherrscht.

Anders als Männern gehe es Frauen meist nicht darum, Geld zu gewinnen oder den Automaten zu besiegen. „Frauen spielen häufig aus Einsamkeit, sie suchen nach einer Art Beziehungsersatz“, sagt Ilse Hennerkes. Ein „echtes Beziehungsangebot“ finden betroffene Frauen und Männer und ihre Angehörigen bei der Beratungsstelle Kontakt-Rat-Hilfe. In der Zentrale in Viersen-Dülken sowie in den Außenstellen in Willich, Nettetal und Kempen können sie sich nicht nur kostenlos und anonym informieren, sondern auch ihr Glücksspielverhalten diagnostisch abklären lassen.

(Report Anzeigenblatt)
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