| 11.11 Uhr

Von Erzfeinden zu Freunden

Von Erzfeinden zu Freunden
Anrather Soldaten in einer Stellung vor Verdun. FOTO: Stadtarchiv Willich
Stadt Willich. Heute wird im Rahmen des MeinFestes auf der „Straße der Freundschaft“ (Schulstraße) das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft Linselles/Willich gefeiert. 100 Jahre zuvor wäre das undenkbar gewesen. Frankreich galt damals als der Erzfeind und in Verdun tobte eine der sinnlosesten und grausamsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Von Lutz Schütz

Heimatforscher Bernd-Dieter Röhrscheid hat zu der Schlacht von Verdun (21. Februar bis 19. Dezember 2016) ermittelt, dass 20 Soldaten aus den Willicher Altgemeinden den „Heldentod für König und Vaterland“ starben. Vierzehn kamen aus Alt-Willich, fünf aus Anrath und drei aus Schiefbahn. Alle haben sie in dieser großen Materialschlacht in Infanterie- und Artillerie-Regimentern gegen die Franzosen gekämpft. Akribisch hat er Zeit, Ort und Todesursache – wo möglich – ermittelt. So blieb beispielsweise von dem damals 29-jährigen Schiefbahner Johann Wilhelm Holter das Soldbuch erhalten. Zuletzt kämpfte er in Fleury bei Verdun. In dem für ihn angefertigten Totenzettel, der archiviert ist, kann man lesen: „Für seinen bei einem Sturmangriff bewiesenen Heldenmut wurde er zum Vizefeldwebel befördert; aber noch ehe ihm die Mitteilung von dieser ehrenvollen Beförderung gemacht werden konnte, erhielt er am 29. August 1916 einen Kopfschuß, infolgedessen er alsbald verschied.“

Aber nicht nur auf deutscher Seite gab es Tote. Röhrscheid erfuhr vom Archivar der Stadt Linselles, Bernard Compère, dass ebenfalls 20 junge Linseller in den kriegerischen Auseinandersetzungen um Verdun gefallen sind. Die Gemeinde Linselles hat nach Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1919 zur Erinnerung an die Schlacht eine Straße „Boulevard de Verdun“ benannt. Weitere Straßennamen erinnern an vier Familien, die Söhne in diesem Krieg verloren haben. Darunter auch die Familie Six, deren Söhne Adrien und Norbert vor Verdun gefallen sind. Röhrscheid: „Wenn wir das 50-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft feiern, sollte uns bewusst sein, dass diese Aussöhnung angesichts einer fast 300 Jahre andauernden Erbfeindschaft eine große Errungenschaft ist, fast schon ein kleines Wunder!“

(Report Anzeigenblatt)