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Rapp und Timpe brillieren

Rapp und Timpe brillieren
Gideon Rapp (Kater) und Sebastian Teichner (Müllerssohn) rappen zur Ukulele. Das Foto wurde im Trockenen bei der Generalprobe gemacht. FOTO: max
Stadt Willich. Die Premiere des Familienstücks „Der gestiefelte Kater“ hätte eigentlich ausfallen müssen. Am Sonntagnachmittag regnete es Bindfäden und während die Zuschauer wenigstens etwas Schutz unter Plastikponchos fanden, waren die Schauspieler innerhalb weniger Minuten klitschnass. Kann man unter diesen Umständen Theater spielen? – Das Ensemble konnte – und wie! Von Lutz Schütz

70 Minuten lang harrten die Zuschauer – darunter viele kleine Kinder – klaglos in dem Dauerregen aus, weil sie so von dem Bühnengeschehen gebannt waren. Dass der Applaus zum Schluss kürzer ausfiel als im Vorjahr, war allein dem Unwetter zuzurechnen. Wieder in der Realität angelangt wollten die Zuschauer nur noch eines: So schnell wie möglich nach Hause fahren, Kleider wechseln und ein Heißgetränk oder eine heiße Dusche genießen. Dem Ensemble wird’s nicht anders gegangen sein.

Tragende Säulen des Spiels waren Gideon Rapp als gestiefelter Kater und Sarah Elena Timpe sowohl als Hexe Fabula Rasa als auch als Marquesa Maria de Gatito. Beide zeigten, dass sie sich selbst dann auf der Bühne wohlfühlen, wenn widrigste Umstände herrschen. Rapp spielte den Kater, der eigentlich ein verzauberter spanischer Edelmann ist, mit einer feinen Prise Ironie, die vor allem bei den erwachsenen Besuchern gut ankam. Und allein das Zungenspiel der Hexe/Kröte Fabula Rasa war sehenswert. Jan-Christoph Kick glänzte als kindlich-trotziger König Ottokar von Puffenstein, während er den Zauberer Zohak – mit Rücksicht auf die Kinder – nicht allzu bösartig anlegte. Sebastian Teichner (Müllerssohn Hans) startete verhalten, spielte sich aber immer mehr frei. Heinz Hermann Hoff zeigte seinen feiner Humor als Hofnarr Ottokars. Reinhild Köhncke hatte vor allem als Diener Plotz, der König Ottokar verzweifeln lässt, die Lacher auf ihrer Seite. Die Rolle der Prinzessin Amalie war hingegen so kurz angelegt, dass sie kaum mit Leben gefüllt werden konnte.

Großartig war das auf das Wesentlichste reduzierte Bühnenbild von Silke von Patay, das auch das Schloss selbst mit seinen Fenster einbezog. Genial der doppelseitige Thron von König und Zauberer mit seiner Mehrfachfunktion. Auch die Kostüme von Gewandmeisterin Uta Heiden-Hauck beeindruckten, vor allem das Kostüm von König Ottokar.

Eine rundum gelungene Vorstellung, die hoffentlich viele Zuschauer in den nächsten Wochen im Trockenen genießen können. Regisseurin Heike Wertgen hat mit ihrer rasanten, phantasiereichen Inszenierung bewiesen, dass Märchen zeitlos schön und aktuell sind. Schon Albert Einstein hat gesagt: „Wenn du intelligente Kinder willst, lies ihnen Märchen vor. Wenn du noch intelligentere Kinder willst, lies ihnen noch mehr Märchen vor.” Anschauen funktioniert auch.

(StadtSpiegel)