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Notizen aus der Stadtschmiede Willich Warum Plätze wirklich wichtig sind

Notizen aus der Stadtschmiede Willich Warum Plätze wirklich wichtig sind
Foto: Pavlo Burdyak
Gut möglich, dass Sie im Zusammenhang mit dem Thema Stadtplanung schon einmal auf den Begriff „Integriertes Handlungskonzept“ gestoßen sind. Vielleicht waren Sie schwer beeindruckt. Wahrscheinlich aber deswegen nicht viel schlauer. Von Lutz Schütz

Dabei hat die Willicher Verwaltung bereits 2011 ein solches integriertes Handlungskonzept für die Willicher Innenstadt erstellt, das ständig weiterentwickelt wird. Und seit 2013 sogar vom Land gefördert. Aber was bedeutet dieser eher sperrige Begriff eigentlich? Vereinfacht ausgedrückt ist damit eine Menge von Projekten gemeint, die ineinandergreifen – und vor allem in den nächsten Jahren in Alt-Willich konkret umgesetzt werden sollen.

Bei diesen Projekten geht es unter anderem um die Themen Mobilität, Wirtschaft, Wohnen, den öffentlichen Raum und Innenstadtmarketing. Letztlich soll mit allem die Innenstadt belebt werden. Die Umgestaltung des „öffentlichen Raums“ – Markt, Kaiserplatz – bildet dann natürlich auch das Herzstück des Konzepts. Dabei geht es nicht um blankes Aufhübschen oder nettes Umdekorieren – da könnte man das Geld wirklich sinnvoller ausgeben. Die Umgestaltung von öffentlichen Räumen ist so wichtig, weil genau dort, im öffentlichen Raum, Begegnung stattfindet. Tag für Tag begegnen wir dort bekannten und fremden Menschen, mit denen wir uns auseinander setzen. Hier „passiert“ Begegnung, hier lernen wir toleranten Umgang miteinander, es entstehen soziale Kontakte, die fürs Zusammenleben in einer Stadt wichtig, unverzichtbar sind. Andersrum: Gäbe es in einer Stadt keine „Begegnungsorte“ mehr, säßen wir alle nur noch zu Hause in unseren Wohnungen – das wäre für alle, aber eben auch für den einzelnen furchtbar. Belebte Plätze machen unsere Städte auch sicherer. Untersuchungen belegen, dass an öffentlichen Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten und quasi aufeinander Acht geben, soziale Kontrolle entsteht, und die wirkt sich übrigens auch unmittelbar auf die Kriminalitätsrate einer Stadt aus.

Das alles setzt jedoch voraus, dass Plätze so gestaltet sind, dass sich Menschen dort gerne aufhalten. Also müssen Plätze nicht nur „schön“ sein, sondern auch praktisch für alle, die sie alltäglich tatsächlich benutzen. Außerdem braucht auch der Einzelhandel belebte Orte: In Zeiten zunehmenden Online-Shoppings wird es für die lokalen Händler immer schwerer, ihre Ware persönlich an den Mann zu bringen. Der Einkauf muss vor Ort „ein Erlebnis“ sein – qualifiziert und kompetent, aber eben auch in angenehmer Atmosphäre und Umgebung: Nur so bleibt dem Laden „an der Ecke“ eine Chance, sich vom Online-Handel abzugrenzen. Aber selbst der schönste und praktischste Platz kann vereinsamen, wenn die Gründe fehlen, hinzugehen: Neben der Gestaltung müssen zusätzliche Reize geschaffen werden, damit sich Menschen wieder gerne im Zentrum aufhalten. Sei es durch Feste, Wochenmärkte, Gastronomie oder Handel.

Neben diesen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten hat die Umgestaltung des Willicher Marktes aber auch eine Bedeutung für die anderen Projekte, die Rahmen des (da ist es wieder!) „integrierten Handlungskonzeptes“ umgesetzt werden sollen: Wenn zum Beispiel Hauseigentümer mit Förderprogrammen motiviert werden sollen, ihre Fassaden in Stand zu setzen, Händler ihre Warenauslagen und Schaufenster hochwertig gestalten sollen – muss eben auch das Umfeld passen. Konkret muss also auch die Stadt mit Gestaltung und Pflege der öffentlichen Plätze ihren Part leisten. Die Umgestaltung des Willicher Marktplatzes wird also zum Zugpferd fürs Ganze, für andere Projekte. Umso wichtiger, sich mit der Gestaltung des Willicher Marktes auseinandersetzen, darüber zu diskutieren – und noch wichtiger, am 24. Februar beim Bürgerentscheid mit

NEIN und somit für den neuen Marktplatz zu stimmen.

(Report Anzeigenblatt)