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Notizen aus der Stadtschmiede Willich Baum oder Baum? Behalten oder – „nachhalten“?

„Nachhaltigkeit“ ist heute Trend, in aller Munde. Auch in der Diskussion um die Bäume am Willicher Markt durfte dieser Begriff natürlich nicht fehlen – und wurde in vielen Gesprächen als Argument hochgehalten. Von Lutz Schütz

Wobei es bei einem derart inflationär genutzten Schlagwort nicht wirklich schadet, mal genauer hinzugucken: Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich genau?

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und meint eigentlich, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als „passend“ nachwachsen kann. Im Lauf der Zeit wurde der Begriff in Diskussionen großzügig breiter genutzt, ausgeweitet: Heutzutage definiert man etwas als nachhaltig, wenn es gleichzeitig sozial, ökologisch und wirtschaftlich ist.

Überträgt man dies auf den Willicher Markt, stellt sich die Frage, ob die Pflanzung von neuen Eichen wirklich „nachhaltig“ ist. Unsere Meinung: Eindeutig nachhaltig. Weil alle drei Anforderungen erfüllt sind: Das Vorhaben ist sozial, weil durch eine andere Anordnung von Bäumen ein angenehmeres Sitzen an den Platzrändern ermöglicht wird, eine offene Platzmitte entsteht. Auf diese Weise kann der Platz besser und vielfältiger genutzt werden und bringt unterschiedliche Menschen zusammen. Das war Ziel des Prozesses – und bei der Entstehung des Entwurfs wurde versucht, die Interessen aller unterschiedlichen Gruppen in einem offenen und transparenten Prozess zu berücksichtigen, um einen Platz für die Allgemeinheit zu schaffen.

Die neuen Bäume sind auch ökologisch sinnvoll, weil sie langfristig unbestritten eine bessere Öko-Bilanz als der bisherige Baumbestand aufweisen.

Und letzten Endes ist das Ganze auch wirtschaftlich sinnvoll, im Rahmen der Umbaumaßnahme neue Eichen zu setzen. Denn bei Pflasterarbeiten und Tiefbauarbeiten kann nicht ausgeschlossen werden, dass bestehendes Wurzelwerk beschädigt wird. Dieses Risiko könnte nur mit einem erheblich erhöhten Aufwand gemindert, aber eben auch nicht ganz ausgeschlossen werden.

Es macht daher auch ökonomisch deutlich mehr Sinn, erst nach Abschluss der Tiefbauarbeiten auf dem Markt neue, standortgerechte Bäume zu pflanzen, die nur in der Anfangsphase gepflegt werden müssen – und danach keine besonderen Unterhaltskosten mehr verursa

chen.

(Report Anzeigenblatt)