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Niers soll langsamer fließen

Niers soll langsamer fließen
Niersverbandvorstand Professor Dietmar Schnitthelm erläutert den Zweck der Arbeiten, die mit dem Spezialbagger durchgeführt werden. Er soll Grauwacke-Steine entfernen, mit denen früher die Ufer befestigt worden sind. FOTO: Büntig
Neersen (stb). Wie ein Roboter aus einem Science-Fiction-Film, der gerade mit unsichtbaren Wesen im Wasser der Niers kämpft, mutete der Einsatz eines Allradbaggers im Bereich des Grenzwegs in Neersen an. Von Lutz Schütz

Wasserbauer Toni Pelzer vom Niersverband beherrscht sein 150 PS starkes Arbeitsgerät präzise und arbeitete die linke Uferböschung systematisch ab. Er sucht nach großen Grauwacke-Steinen, die zwischen 1930 und 1980 dort als Böschungssicherung eingebaut wurden.

Sein Einsatz ist der erste Schritt eines gut 50 Jahre dauernden Projektes an der Niers, die nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie in einen naturnahen Zustand zurück versetzt werden muss, wie Niersverbandvorstand Professor Dietmar Schnitthelm mitteilt: „Wir sind die letzte Station in der langen Kette der Ämter, wir schicken nur die Bagger los, die das machen, was oben entschieden wird!“

m vergangenen Jahr hatte die Bezirksregierung einen Bürgerinformationsabend zur Festlegung der Überschwemmungsgebiete an der Niers veranstaltet. Dieser erregte bei den Anwohnern des Grenzwegs große Besorgnis – nicht nur wegen den damit verbundenen Beschränkungen. Sie befürchteten auch, zukünftig bei Hochwasser alleine gelassen zu werden.

„Diese Besorgnis nehmen wir sehr ernst und haben darum an dieser Stelle mit unseren Arbeiten begonnen und die Steine entfernt“, so Professor Schitthelm.

Gut sechs Wochen wird Toni Pelzer mit dem Spezialbagger das linke Niersufer teilweise abtragen und die von Biologen als „Fremdsubstrat“ eingestuften Wassersteine entfernen. Das Grenzweg-Ufer soll später der selben Behandlung unterzogen werden, damit als Resultat das Fassungsvolumen der Niers um bis zu 0,5 Meter in der Breite zunimmt. Das Durchwühlen des Gewässerbodens hat keine Auswirkungen auf den biologischen Lebensraum der Niers, da die Laichperiode der Fische erst später beginnt. Im Sommer, wenn die Kanuwanderer unterwegs sind, werden die Arbeiten ruhen. Erst im Spätherbst werden sie fortgesetzt.

Eine Veränderung wird man eher nicht wahrnehmen, denn die Fließgeschwindigkeit wird sich nicht ändern. die Niers fließt so langsam, dass kein Plätschern zu hören ist.

Bis zur endgültigen Renaturalisierung wird noch viel Wasser die Niers runter fließen. Erst müssen landwirtschaftliche Flächen erworben, viele Genehmigungen erteilt und Berech

nungen erstellt werden, bevor der eigentliche Rückbau beginnen kann.

(StadtSpiegel)
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