| 18.52 Uhr

Mehr Mitmenschlichkeit

Stadt Willich. Die Bekanntgabe, dass die Bezirksregierung plant, in dem Gebäude des ehemaligen Willicher Krankenhauses „mehr als 200“ Asylbewerber unterzubringen, führte im Internet zu vielen rassistischen Kommentaren. Unter Artikeln zu dem Thema kam es – insbesondere auf Facebook – zu Beschimpfungen, Anfeindungen und Unterstellungen gegen Asylbewerber, die nicht zu tolerieren seien, so die Willicher Grünen. Von Lutz Schütz

„Leute schließt Eure Frauen und Kinder weg!“ sei noch eines der harmloseren Zitate, die oft mit dem Zusatz „Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber …“ versehen seien.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber traumatisierten Flüchtlingen aus

Syrien (Frauen und Kinder auf der Flucht vor ISIS und Präsident Assad) und

Nordafrika (Hungersnöte in der Sahel-Zone) widersprächen einer weltoffenen Stadt

wie Willich. Das Asylrecht sei ein Menschenrecht und als Artikel 16 Teil des Grundrechtskatalogs unserer Staatsverfassung. Diese Staatsverfassung – das Grundgesetz – sei eine wertorientierte Verfassung und garantiere das Asylrecht, u.a. aus der Grundhaltung der christlichen Nächstenliebe heraus und als Akt der Humanität.

Der Schutz Asylsuchender genieße Verfassungsrang und betreffe damit jedes Bürgerrechtsverständnis im Kern. Ein Asylrecht zweiter Klasse gebe es nicht.

Notgeplagte Asylbewerber, die aus politischen, religiösen, weltanschaulichen oder anderen Gründen in ihren Heimatländern verfolgt werden, als Diebe, Prostituierte und Unfriedenstifter zu bezeichnen, habe nichts mehr mit Meinungsäußerung zu tun, sondern sei eindeutig Rassismus – also diskriminierende Herabsetzung und Ausgrenzung einzig aufgrund anderer Volkszugehörigkeit und Herkunft. So werden den Zuwanderern ihre Menschenwürdeabgesprochen.

Sorge macht den Willicher Grünen vor allem, dass die Kommentare im Netz meist nur eine Auswahl der tatsächlichen Meinungen und Gespräche wiedergäben. Die Kommentare seien in ihrem fremdenfeindlichen Gehalt schädlich für das Willicher Gemeinwesen selbst und seinen Ruf. Der in den Kommentaren zum Ausdruck kommenden Haltung sollten sich Politik, Verwaltung sowie liberale Bürger der Stadt entschlossen entgegenstellen und für Toleranz und Rechtsstaatlichkeit werben.

(StadtSpiegel)
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