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Künstler suchen den Dialog

Künstler suchen den Dialog
Beate Krempe und Dr. Marc-Thilo Sagner (Mitte) mit den Projektkünstlern (v.l.): Waleed Ibrahim, Yaseen Al. Saeedi, Mohamad Tibi, Fithawit Yakob und Nesrin Mahmoud, von der die beiden Frauenporträts im Vordergrund stammen. FOTO: Schütz
Stadt Willich. Ein ganz besonderes Atelier wird am Freitag, 7. Juli, eröffnet. Es soll einerseits Künstlern die Möglichkeit geben dort zu arbeiten, andererseits soll es dienstagsnachmittags als Treffpunkt dienen für alle Kunstschaffenden in der Region und alle Menschen, die sich für Kunst interessieren. Von Lutz Schütz

Damit nicht genug handelt es sich bei den Künstlern, die das Atelier nutzen werden um Flüchtlinge. Um Menschen, die aus ihrem Heimatland vertrieben und aus ihrem vertrauten Lebensumfeld herausgerissen worden sind. Zumindest aus künstlerischer Sicht können sie jetzt einen Neuanfang wagen.

Die offizielle Eröffnung des Ateliers in der Bahnstraße 14 in Alt-Willich beginnt um 17 Uhr. Bei den Räumen handelt es sich um das ehemalige Schlecker-Lokal, das der Zahnarzt Dr. Marc-Thilo Sagner für das Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Zu den Kunstschaffenden der ersten Stunde zählt Waleed Ibrahim. Der 50-jährige Kurde hat in Damaskus Kunst studiert und 25 Jahre als Künstler in Dubai gelebt. Der Maler bevorzugt großformatige Bilder, auf denen er sich mit gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzt.

Nesrin Mahmoud kommt ebenfalls ursprünglich aus Syrien. Die 47-jährige Architektin hat sich ganz der Porträtmalerei im expressiven Stil verschrieben. Mohamad Tibi ist seit seinem zwölften Lebensjahr Kalligraph. In seiner Heimat Syrien war das für den 46-jährigen Süßwarenfabrikanten aber immer nur eine Freizeitbeschäftigung.

Yaseen Al. Saeedi stammt aus dem Irak, malt mit Acry und Öl und zeichnet mit dem Bleistift vor allem figürliche Motive. Zuhause hatte der 46-Jährige zudem einen Supermarkt.

Jüngste in dem internationalen Künstlerbund ist Fithawit Yakob. Die 25-jährige Friseurin aus Eritrea möchte von ihren älteren Kollegen vor allem lernen, wie sie Naturthemen ins Bild setzen kann.

Koordinatorin und Netzwerkerin im Hintergrund ist die Anrather Künstlerin Beate Krempe. Sie will mit dem Projekt vor allem den künstlerischen Dialog zwischen den Kulturen vorantreiben. Unterstützt wird das Projekt vom Arbeitskreis Fremde (AKF) in der Stadt Willich, der Wehrhan-Mees Stiftung, der Stadt Willich sowie dem Bundesprogramm „Demokratie Leben!“.

Projekt und die geplante Ausstellung (siehe Kasten) sollen in einem Buch dokumentiert werden, für das Stimmen auch bereits bei der Ateliereröffnung am kommenden Freitag, 8. Juli, gesammelt werden.

(Report Anzeigenblatt)