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Heimatfront Niederrhein

Kreis Viersen. Niederrheinisches Freilichtmuseum: Am Sonntag, 14. September, ist Ausstellungseröffnung zum Thema „100 Jahre Erster Weltkrieg“. Von Alexander Ruth

Heimatfront Niederrhein – der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die niederrheinische Bevölkerung: Unter diesem Titel eröffnet Landrat Peter Ottmann am Sonntag, 14. September, um 11 Uhr die neue Ausstellung im Niederrheinischen Freilichtmuseum des Kreises Viersen. Anlass ist die Tatsache, dass vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg (1914–1918) ausgebrochen ist. Bis zum 1. Februar 2015 werden im Freilichtmuseum mit Sitz in Grefrath insgesamt 200 Exponate und Fotografien gezeigt. In der Schau soll exemplarisch demonstriert werden, wie die Bevölkerung am Niederrhein den Krieg erlebte. Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit dem Kreisarchiv Viersen.

„Der Erste Weltkrieg gilt in der Geschichtsschreibung als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Deshalb betrachten wir es als Aufgabe, uns diesem Thema aus gegebenem Anlass und mit besonderem Blickwinkel auf die Menschen am Niederrhein zu stellen“, sagt Landrat Peter Ottmann. Hierfür sei das Freilichtmuseum genau der richtige Ort. Dort werde Volkskunde im Wandel der Zeit und in den Wirren der Geschichte anschaulich gemacht.

Mit dem Fokus auf die hiesigen Verhältnisse vor 100 Jahren hebt sich die Dorenburg-Schau von anderen Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg ab. Ottmann: „Es ist für uns Ältere, aber besonders auch für Jüngere von besonderem Interesse, sich über diese schlimme Zeit zu informieren.“ Der Erste Weltkrieg habe Millionen Menschen das Leben gekostet und eine Zäsur in der europäischen Entwicklung und Geschichtsschreibung mit sich gebracht. Der Landrat legt die Weltkriegsausstellung insbesondere Schulen ans Herz: „Für junge Menschen, die noch nie mit Krieg und existenziellem Leid konfrontiert waren, ist diese Ausstellung ein Muss.“

„Beim Betrachten der Schau wird deutlich, wie stark das Kriegsgeschehen fernab der Heimat auf den Alltag der Menschen am Niederrhein eingewirkt hat und wie die anfängliche Kriegsbegeisterung in Ernüchterung, Schrecken und Not umschlug“, berichtet Kulturdezernent Dr. Andreas Coenen.

Die „Heimatfront Niederrhein“ – Titel der Ausstellung – brachte es mit sich, dass Männer, Frauen und Kinder durch den Krieg starke Veränderungen und Entbehrungen erfuhren, „auch wenn die Zivilbevölkerung durch Kampfhandlungen auf deutschem Boden nicht betroffen war“.

Insofern, so Dr. Coenen, leiste die Ausstellung einen Beitrag zur Völkerverständigung und Aufklärung über eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, exemplarisch gezeigt am Fall der Niederrheiner. „Die Floskel ,nie wieder Krieg’ erscheint in diesem Kontext in einem völlig neuen Licht.“ Dr. Coenen erwähnt auch die aktuellen Konfliktherde Ukraine und Naher Osten: Sie bringen ähnlichen Zündstoff für einen länder- und kontinentalübergreifenden Krieg mit sich wie das Attentat von Sarajewo vor 100 Jahren. Auch hier leistet die Dorenburg-Ausstellung im bewusstseins- bzw. meinungsbildenden Prozess Aufklärungsarbeit. „Wir sollten anhand der Geschichte lernen“, so der Kulturdezernent.

Die ausgestellten Stücke stammen aus anderen Museen, niederrheinischen Archiven oder der eigenen Dorenburg-Sammlung. „Die Exponate wurden ergänzt durch zahlreiche Leihgaben aus der niederrheinischen Bevölkerung“, so Museumsleiterin Anke Wielebski. So ist eine Fülle von Kriegsdokumenten und biographischen Erinnerungen zusammen gekommen, die exemplarisch für Familiengeschichten der Region zu verstehen sind. Die Ausstellung, die ein Jahr lang vorbereitet wurde, hält den Betrachtern vor Augen, dass die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs am Niederrhein deutlich spürbar waren und weit über die Abwesenheit oder den Verlust der Ehemänner, Brüder und Väter hinausgingen.

Bei der Ausstellungsvorbereitung hatten Geschichtsstudenten der Universität Düsseldorf die Möglichkeit, sich im Zuge eines Seminars mit dem Ausstellungsthema und den Exponaten des Niederrheinischen Freilichtmuseums zu beschäftigen. Der wissenschaftliche Nachwuchs konnte nicht nur einen Einblick in das Berufsfeld „Museum“ erhalten, sondern auch eigene kleine Beiträge für die Ausstellung leisten. Geleitet wurde das Studentenprojekt von der wissenschaftlichen Volontärin des Museums, Anisha Mülder-van Elten.

(StadtSpiegel)
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