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Eltern fühlen sich veralbert

Eltern fühlen sich veralbert
Fünf Mütter (stellvertretend für alle Eltern), deren Kinder in der sechsten Gruppe des Städtischen Kindergartens Kantstraße betreut werden. Sie sind nicht mehr bereit hinzunehmen, dass ihre Kinder unter der provisorischen Unterbringung im Flur der Kindertagesstätte zu leiden haben. FOTO: Schütz
Willich. Lange hatten die Eltern der Kinder der sechsten Gruppe des Kindergartens Kantstraße Geduld mit der Stadt. Von Monat zu Monat ließen sie sich vertrösten. Aber jetzt sind sie nicht mehr bereit, sich weiter hinhalten zu lassen! Von Lutz Schütz

Erneut hat die Stadt Willich eine feste Zusage nicht eingehalten, die ein Provisorium bei der Unterbringung der Kinder endlich beenden sollte. „Wir fühlen uns inzwischen veralbert und machtlos“, sagt Marina Lavista, Sprecherin der Gruppe. Gemeinsam mit den anderen Müttern und Vätern der Kindergartengruppe ist sie nicht mehr bereit, diese „Behördenwillkür“ hinzunehmen.

Was war passiert? In den Sommerferien 2017 gab es einen Wasserschaden in dem ausgelagerten Gruppengebäude der Kindertagesstätte Kantstraße, in dem die sechste Gruppe untergebracht ist. „Vorübergehend“, also für den Zeitraum der Instandsetzung des Gebäudes, musste die Gruppe in das Haupthaus der Einrichtung ausweichen. Dort dient seither der Hausflur der Einrichtung als „Gruppenraum“. Die Kinder sitzen auf dem Fußboden, es herrscht ständiger Durchgangsverkehr, es gibt keine eigenen sanitären Einrichtungen und auch ein Rückzugsbereich fehlt.

Dass die Kinder sich so nicht wohlfühlen, ist mehr als verständlich. Auch die pädagogische Arbeit leidet. Die Erzieherinnen der 6. Gruppe werden darauf reduziert, Aufsicht zu führen und Streitigkeiten zwischen den Kindern zu schlichten, die immer gereizter reagieren, ständig aufgewühlt sind und kein Gruppenzusammengehörigkeitsgefühl entwickeln können.

Die Kinder der 6. Gruppe können dank des offenen Konzepts der Einrichtung zwar von allen Angeboten im Haupthaus profitieren, allerdings führen die erhöhte Frequentierung der Spiel- und Förderangebote, die erhöhte Lautstärke sowie die zunehmende Unruhe auf dem Flur zu extremen Stresssituationen für alle Kinder der Einrichtung.

Das alles ist die Folge eines Wasserschadens, der im Sommer entstand. Im August sagte man den Eltern zu, dass das defekte Gebäude schnell instand gesetzt werde. Spätestens zu den Herbstferien sei alles wieder in Ordnung.

Im Herbst hieß es dann, dass bis November alles fertig würde. Dann war die Anschaffung einer mobilen Lösung (Container) im Gespräch, der für die Dauer der Instandsetzung als Gruppenraum dienen sollte. Dieser Container wurde wieder abbestellt, weil es nun eine letzte „definitive“ Zusage gab, dass bis Ende Januar 2018 das Gebäude wieder nutzbar sei.

Doch jetzt erhielten die Eltern die Information, dass das Gebäude frühestens im März wieder genutzt werden könne.

Beigeordneter Willy Kerbusch, der bei der Stadt Willich für die Unterhaltung der Gebäude zuständig ist, kann die Verärgerung der Eltern gut verstehen: „Die Sachlage ist mir leider erst seit acht Wochen bekannt. Das Problem hat höchste Priorität.“

Kerbusch hat aber auch entschieden, dass der Container wieder abbestellt wurde: „Das wäre wieder nur ein Provisorium gewesen und der Container hätte frühestens Mitte Januar aufgestellt werden können.“ Das eingesparte Geld wird jetzt in ein neues geneigtes Dach für das Gruppengebäude investiert. „Das ist keine Flickschusterei und bautechnisch die optimal Lösung.“ Kerbusch betont, dass er diese Entscheidung so auch schon früher getroffen hätte. „Das ist keine Frage des Geldes.“ Im März soll der Gruppenraum dann wieder der sechsten Gruppe zur Verfügung stehen.

(Report Anzeigenblatt)