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Ein Leben im „Paradieschen“

Ein Leben im „Paradieschen“
Christa und Bernd-Dieter Röhrscheid zeigen Porträtfotos des Künstlerehepaars Kurt und Lore Beyerlein, die ihre gemeinsame Zeit in Schiefbahn nur von 1932 bis 1941 genießen konnten. FOTO: Schütz
Schiefbahn. Durch Zufall sind Christa und Bernd-Dieter Röhrscheid vor zwei Jahren auf den Künstler Kurt Beyerlein aufmerksam geworden. In einer kleinen Ausstellung beleuchten sie sein Leben und Wirken und das seiner Frau Eleonore. Von Lutz Schütz

Kurt Beyerlein war ein Vertreter des expressiven Realismus, der 1904 in Mönchengladbach geboren wurde, aber in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin lebte und arbeitete (u.a. als Grafiker für den Rundfunk). In der damaligen Reichshauptstadt heiratete er am 27. Februar 1927 seine drei Jahre ältere Frau Leonore, eine gebürtige Wienerin und Ballettmeisterin.

1932 kehrten beide Berlin den Rücken zu – wahrscheinlich aus politischen Gründen – und ließen sich in Schiefbahn Im Eschert nieder, wo sie zurückgezogen von der Welt – arm aber glücklich – wie Philemon und Baucis (Gestalten der griechischen Mythologie) leben wollten. Sie erwarben ein großes Grundstück, bauten ein kleines Haus darauf und begannen mit der größtmöglichen Selbstversorgung durch Tierhaltung und Gemüse- und Obstanbau. Für beide wurde die Parzelle zu ihrem persönlichen „Paradieschen“.

Während dieser Zeit knüpften die Beyerleins, beide evangelisch, Kontakt zur Familie des einzigen Schiefbahner Arztes, Dr. Heinz Macke, der Katholik war, und gründeten mit ihm eine ökumenische Gruppe, die sich regelmäßig im Haus des Arztes traf. Zudem kaufte Macke zahlreiche Bilder und Radierungen des Künstlers, was diesem das Leben in Schiefbahn erleichtert haben dürfte.

Diese Zeit im „Paradieschen“ endet 1941 mit der Einberufung zur Wehrmacht von Kurt Beyerlein. Eingesetzt wurde er an der „Heimatfront“. Am 20. Februar 1945 verstarb er im Lazarett in Osnabrück, nachdem er tags zuvor bei Arbeiten auf dem Bahnhof zwischen die Puffer von zwei Waggons geraten war.

Lore Beyerlein gab nach seinem Tod Ballett- und Tanzunterricht und leitete bis 1959 eine Tanzgruppe Schiefbahner Mädchen, die auch in der näheren Umgebung auftrat. Zudem veröffentlichte sie 1946 Briefe ihres Mannes unter dem Titel „Aus jenen Jahren – Briefe des Malers Kurt Beyerlein“. Später folgte ein weiteres Buch mit dem Titel „Von drei Reichen“, in dem sie die Erinnerung an Kurt Beyerlein wach hielt. Lore Beyerlein zog später wieder nach Berlin und heiratete dort ein zweites Mal. Ihr Todestag ist nicht bekannt.

(Report Anzeigenblatt)
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