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Astrid Jacob hört auf

Astrid Jacob hört auf
Intendantin Astrid Jacob (Mitte) bei der Pressekonferenz. Eingerahmt wird sie von Geschäftsführerin Doris Thiel und dem Vorsitzenden des Vereins Schlossfestspiele Neersen, Hans Kothen. FOTO: Schütz
Stadt Willich. Nach acht Jahren Intendanz bei den Schlossfestspielen Neersen wird Astrid Jacob ihre Koffer packen. Für die kommende Freilichttheatersaison muss sich der Verein Schlossfestspiele Neersen einen neuen Theaterintendanten suchen. Von Lutz Schütz

„Mein Ziel war es immer die Zahlen zu regulieren“, sagte Astrid Jacob bei der Bilanzpressekonferenz zu den Festspielen 2014, die am Sonntag endeten. Vor allem das Kinder- und Jugendtheater sei von den Schulen nicht mehr angenommen worden, als sie 2006 die Intendanz übernommen habe. Das habe sich in ihrer Zeit zum Positiven gewendet. Jetzt müsse ein Wechsel her, damit frischer Wind in die Aufführungen komme. „Ich übergebe einen gut bestellten Hof in jüngere Hände“, wählt sie ein Bild aus der Landwirtschaft hierfür.

Der Vorsitzender des Trägervereins, Hans Kothen, dankte Jacob für ihre Arbeit in acht Theatersaisons. Er betonte, dass es Astrid Jacob vor allem gelungen sei, ein Ensemble zusammen zu führen, dass sich durch einen großen Zusammenhalt ausgezeichnet hat. Ihrem Nachfolger gibt Astrid Jacob einen Rat mit auf den Weg: „Bei den Festspielen muss lebendiges, komödiantisches Sommertheater gezeigt werden.“ Anders seien die geforderten Zahlen bei der Auslastung der Stück nicht zu erreichen. Zwischen den Zeilen war hier auch Kritik zu hören. Klassiker finden in Willich – aber auch auf vielen anderen Bühnen – nicht mehr genügend Zuschauer. Deshalb hat sich Astrid Jacob auch einen lange gehegten Wunsch nicht erfüllt und zum Abschluss nicht „Den guten Menschen von Sezuan“ inszeniert, wie sie es eigentlich immer vorhatte. Gegen die Konkurrenz durch die Fußball-WM und die schlechten Wetterbedingungen habe sie ganz bewusst auf Eventtheater gesetzt und stattdessen die Komödie „Opa wird verkauft“ inszeniert.

Vor allem die Zuschauer des Wasserstücks „Ganze Kerle“ hätten manchen Regenschauer ertragen müssen, ebenso wie die Schauspieler, denn auch die Bühne vor Schloss Neersen ist nicht überdacht. Trotzdem mussten nur zwei Vorstellungen bei den gesamten Schlossfestspielen ausfallen. Das Bild der regenresistenten Zuschauer, die in Müllsäcke und Regencapes gehüllt, den schlechten Wetterdingungen trotzten, wird Astrid Jacob mit nach Hause in ihre Wahlheimat München nehmen. „Was kann man von den Menschen mehr erwarten als soviel Liebe zum Theater“, betonte sie.

(StadtSpiegel)