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Alles bereit für die Rückkehr

Alles bereit für die Rückkehr
Ulrike Klein, Angelika Buscher und Christoph Carlhoff vom Freundeskreis Fazliov zeigen die unterschriebenen Arbeitsverträge für Elsafeta und Ismail Fazliov. FOTO: Schütz
Anrath. Der Anrather Freundeskreis Fazliov arbeitet weiterhin mit aller Kraft daran, dass das Ehepaar Elsafeta und Ismael Fazilov mit seinen drei Kindern Enis, Jusuf und Emel wieder nach Anrath zurückkehren kann. Am 16. Mai 2018 ließ Landrat Dr. Andreas Coenen die Roma-Familie ausweisen, obwohl die Härtefallkommission des Landes NRW offiziell drum ersucht hatte, der Familie einen Aufenthaltstitel zu erteilen. Von Lutz Schütz

Dass die Familie in Nordmazedonien den Winter nicht in einer unbeheizten Wellblechhütte ohne Strom und Wasser in einem Slum verbringen muss, hat sie alleine dem Anrather Freundeskreis zu verdanken. Dieser bezahlt derzeit die Kosten für eine ganz einfache, aber beheizbare 2-Zimmer-Wohnung und hilft der Familie auch beim Lebensunterhalt. Denn Sozialleistungen gibt es in Nordmazedonien in der Praxis für abgeschobene Roma genauso wenig wie eine Krankenversicherung.

Der Freundeskreis hatte sich sofort nach der Ausweisung im Umfeld der DRK-Begegnungsstätte am Kirchplatz 9-11 gebildet. Denn seit November 2015 bis zu seiner Ausweisung war Ismail Fazliov so etwas wie der gute Geist der Begegnungsstätte. Wo es etwas zu tun gab, packte er an. Sogar den Nikolaus hat er für die Senioren gespielt (begleitet von seinem Töchterchen Emel als kleiner Engel). Auch seine Frau Elsafeta hat ehrenamtlich am Kirchplatz gearbeitet.

Sollte die Familie wieder einreisen dürfen, stünde für sie alles bereit. Ismail Fazliov hätte die Wahl zwischen zwei Arbeitsverträgen und auch für seine Frau liegt ein unterschriebener Arbeitsvertrag vor. Auch eine Wohnung ist bereits gefunden und wird freigehalten. Die Familie wäre als auf keine finanzielle Unterstützung durch den deutschen Staat angewiesen.

Aber davon können die Fazliovs und der Freundeskreis derzeit nur träumen. Denn aufgrund der Abschiebung darf die Roma-Familie nicht erneut in das Bundesgebiet einreisen. Auch ein Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels wird immer abgelehnt, solange ein Einreiseverbot besteht. Diese Sperre aufheben kann nur die Ausländerbehörde des Kreises Viersen, sprich Landrat Dr. Andreas Coenen. Aber der hat bislang noch nicht einmal den Kontakt zu dem Freundeskreis Fazliov gesucht. Selbst ein Vermittlungsversuch des Willicher CDU-Vorsitzenden Christian Pakusch, der sich dem Kreis angeschlossen hat, blieb bislang erfolglos.

Jetzt ruht die ganze Hoffnung des Freundeskreises auf dem noch schwebenden Verfahren bezüglich des Aufenthaltsrechtes der Familie beim Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Dass dieses Verfahren im „Hinterstübchen“ durch eine Einzelrichterentscheidung beendet wird, dürfte angesichts des großen Interesses vieler Anrather an dem Ausgang des Verfahrens eher unwahrscheinlich sein. Nicht zuletzt geht es auch um das Kindeswohl. Emel Fazliov wurde in Deutschland geboren und war vor der Abschiebung noch nie in Nordmazedonien. Enis Fazliov hat ein leichte geistige Behinderung und müsste eine Förderschule besuchen.

(StadtSpiegel)