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4 723 Einzelschicksale

4  723 Einzelschicksale
4  723 Menschen kamen nach 1945 als Flüchtlinge nach Willich. Im kleinen Bild die Macher der Ausstellung. FOTO: privat/stz
Stadt Willich. „UNTERWEGS an Rhein und Maas“ lautet das Oberthema des vierten Themenjahrs des Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Rhein-Maas. In einem Gemeinschaftsprojekt beteiligen sich der Heimat- und Geschichtsverein Willich, der Bürgerverein Anrath und das Stadtarchiv mit der Ausstellung „Die Reise ins Ungewisse“ an dem Themenjahr. Offizielle Eröffnung im Museum KampsPitter ist am Sonntag, 8. Oktober. Von Lutz Schütz

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen 4 723 Vertriebene und Flüchtlinge nach Anrath, Neersen, Schiefbahn und Willich. Die Hälfte von ihnen blieb, so Schätzungen.

Anders als in den Geschichtsbüchern, in denen die Einzelschicksale kaum eine Rolle spielen, werden in der Ausstellung Personen und ihre Erlebnisse in den Blick genommen. Gefragt wird danach, woher sie kamen und wie die Situation in ihrer alten Heimat im Krieg und nach Kriegsende war und was schließlich zur Flucht oder Vertreibung führte. In bewegenden Videos schildern Zeitzeugen, die heute in Willich wohnen, ihre Erlebnisse: Flucht bei minus 27 Grad auf offenem Pferdewagen, Vertreibung aus dem Geburtshaus mit nichts außer 30 Pfund Handgepäck, endlose Fahrten in Viehwaggons, Tod und Vergewaltigung als ständige Begleiter.

4 723 Einzelschicksale, die sich widerspiegeln in Akten wie Anträgen zu Ausweisen, in Tagebüchern oder auf Fotos, beispielsweise aus den damaligen Auffanglagern ( z.B. Kulturhalle Schiefbahn oder Josefshalle Anrath).

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung „Reise ins Ungewisse – Flüchtlinge und Vertriebene nach 1945 auf ihren Wegen in die Altgemeinden der Stadt Willich“ im Museum KampsPitter, Albert-Oetker-Straße 108 in Schiefbahn, am kommenden Sonntag um 11 Uhr vor geladenen Gästen. Für die Öffentlichkeit ist anschließend von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

(StadtSpiegel)